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AUSWANDERN

EIGENE ERFAHRUNGEN,GEDANKEN
UND KOMMENTARE DAZU

 

Eines vorab, da es doch recht viele Zeitgenossen gibt, die nicht verstehen können oder wollen: die folgenden Infos und Meinungen sind ausschließlich MEINE Erfahrungen und Meinungen. Insofern erheben sie selbstverständlich NICHT den Anspruch repräsentativ zu sein.  Für Mitmenschen, die sich Gedanken zum Thema Auswandern machen, können diese Infos vielleicht EIN KLEINER BEITRAG sein.

Unsere Reise durch die Anden war für Petra und mich auch mit der Hoffnung verbunden eine Region zu entdecken, die unsere neue Heimat werden sollte. Wir waren sehr gewillt aus Deutschland zu verschwinden, sofern sich ein Zielort anbot. Damit begann auch schon der Selbstbetrug-zumindest in unserem Fall- denn die treibende (oder drängende?) Kraft war eigentlich nur ich, der Hartmut. Der Reihe nach.


Das Thema Auswandern kam in den 90ern auf, während meiner oft mehrmonatigen Afrika-Reisen. Habe diverse Auswanderer in West-Zentral-Ost-und Südafrika kennen gelernt, aber keiner von denen schien mir ein Leben zu führen, das mich angesprochen hätte. Einige waren schon sehr obskure Typen, mehrere sind auch nicht alt geworden. Man muss nicht zur Fremdenlegion flüchten, um sein Leben wegzuwerfen- das geht auch mit `ner Auswanderung nach Afrika. Hängt ganz davon ab, was man vor Ort macht.

In Südamerika haben wir ebenfalls viele Gleichgesinnte kennen gelernt und uns mit ihnen auch eingehend ausgetauscht. Ebenfalls in Kanada, wo wir uns im Anschluss an unsere Anden-Tour noch fast 3 Monate umschauen durften. Auf Einladung einer Kanadierin, die wir während einer Trekking-Tour in Peru kennen gelernt hatten. Die gute Frau hatte einen sehr großen Bekanntenkreis mit vielen Einwanderern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Summasumarum lauten meine Beobachtungen wie folgt: die treibende Kraft war fast immer der Mann, die Frau ging nur mit. Dies wurde in den Gesprächen vom weiblichen Part auch regelmässig bestätigt. Früher wanderte man aus, wenn man sich eine Verbesserung, eine Sicherung der Lebensumstände erhoffte, was u.a. viel am Geld festgemacht wurde. Heutzutage denken viele erst übers Auswandern nach, wenn sie zumindest für den Start abgesichert sind.
Steckt da vielleicht ein Fehler im System?

Wirklich zufrieden bis glücklich schien mir exakt nur ein Pärchen zu sein, das sich in Chile erfolgreich ein Hostal mit Reiseunternehmen aufgebaut hatte. Die Beiden kamen aber auch aus der Branche und fingen nicht bei Null in einem ganz fremden Bereich an. Erschreckend viele Beziehungen gingen vor Ort in die Brüche, z.T. liefen die Frauen einfach weg, obwohl auch kleine Kinder da waren.

Mehrere Unternehmen waren mit Geld, noch aus Europa, und knallharter Arbeit vor Ort über Monate und Jahre aus dem Boden gestanzt worden. Sie brachen letztendlich dann doch wieder zusammen oder wurden verkauft und die Auswanderer gingen zurück. Sich in einer fremden Kultur geborgen zu fühlen, wenn gerade schwierige Zeiten anstehen, ist fast nicht möglich, Das Umfeld fehlt oft, dass in so einer Situation einen gewissen Halt bieten könnte. Man neigt dann schnell dazu weiter zu flüchten, denn genau dies scheint mir eine Auswanderung doch zu einem hohen Anteil zu sein: eine Flucht.

Pärchen, die nach Kanada gingen hatten in der Regel das Konto gefüllt, was für Petra und mich überhaupt nicht zutraf. Der Traum vom Blockhaus wurde verwirklicht und man lebte ein gemütliches Rentnerleben. Mancher ist allerdings trotzdem später zurück nach Deutschland, wegen der scheinbar immer noch besseren ärztlichen Versorgung und weil man eben doch die anderen Familienmitglieder vermisste.

Die am stärksten desillusionierenden Beispiele habe ich in Zentralafrika und in Patagonien beobachtet. Man kann oder konnte in der Pampa Argentiniens billig Land kaufen. Wer sich unter solch extremen Bedingungen ansiedelte war, meiner Meinung nach, bereits mit psychischen Problemen angereist- wenn nicht, dann bekam er hier bald welche. Rotwein in Chile oder Argentinien schmeckt lecker und gibt´s äußerst billig im 2-L-Tetrapack. Auffallend viele ehemalige Globetrotter, Langzeitreisende, die es gewohnt sind mit wenig Geld über die Runden zu kommen,  waren darunter. Langzeitreisen stellen zu einem gewissen Anteil ebenfalls Fluchten dar.

Obwohl auch ich mich lange sträubte in Deutschland zu bleiben und die Idee der Auswander- ung mit einer Portion Sturheit verfolgte setzte sich irgendwann doch eine gewisse Erkenntnis durch. Widerwillig lernte ich sie zu akzeptieren: der Mensch ist ein Herdentier.
In der sogenannten grenzenlosen Freiheit verwildert er lediglich- zufriedener oder gar glücklicher als in Deutschland  scheint er mir dort nicht zu werden. Es ist anders, aber unterm Strich nicht unbedingt besser.

In Südamerika blieben wir also nicht, das stand nie zur Debatte. Kanada schon deutlich eher, hat aber letztendlich nicht funktioniert. Zwischenzeitlich habe ich noch mit Kapstadt in Südafrika geliebäugelt, geworden ist es dann tatsächlich im Frühjahr 2008 Ruhpolding in Oberbayern. Vom Ruhrgebiet nach Ruhpolding-Auswanderung light!


 
Auszeit Anden

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